Der Fuchs, der zum Sufi gemacht wurde 

In einem bestimmten Land beraubte ein Fuchs sämtliche Bauernhöfe und schleppte die Hühner fort. Die Dörfler riefen einen Sufi von großem Ruf und baten ihn um Hilfe bei der Fuchsjagd. Er holte einen Talismann hervor und legte ihn an einer bestimmten Stelle aus. Schon nach kurzer Zeit fand man den Fuchs an diesem Fleck hilflos festgewurzelt. Die Dorfbewohner waren vor Freude außer sich, als sie das sahen. Wie sie sich jedoch zusammenscharten, nahm der Sufi dem Talisman die Kraft und band dem Fuchs etwas um den Hals. Statt ihn den Menschen zum Töten zu überlassen, gab er ihn danach frei. Die Dörfler gerieten in hellen Aufruhr und riefen: "Was, um Himmels Willen tust du da? Jetzt wird der Fuchs wieder auf seine Diebeszüge gehen!" "Nein", sagte der Sufi, "ich habe ihm das Symbol des WEGES um den Hals gehängt. Und die Sufis sind keine Diebe. Er wird deshalb nicht mehr stehlen, sondern seine Aufmerksamkeit auf die Wildtiere beschränken." "Aber du hättest ihn genauso gut töten können", sagten die Leute. "Je nun", sagte der Sufi, "ein bisschen Strafe hatte schon sein müssen, damit er sich im Denken wie im Handeln ändern würde." "Aber wie kann das eine Strafe sein, ihm das Zeichen des Sufi zu geben?" "Wißt ihr das nicht? Nun, jedesmal, wenn ihn jemand sieht, wird er ihn von den Behausungen der Menschen fortjagen mit den Worten: ,Du bist einer von diesen Irrationalen, ein Feind der Gelehrten. Und die Gelehrten sind unter den Menschen selbstverständlich die klügsten." 

Typisches Beispiel einer unterhaltsamen Anektode, einschließlich der Ausübeung wundertätiger Kräfte, die entwickelten Sufis häufig zugeschrieben werden, und weiterer interessanter Merkmale. In Sufikreisen glaubt man von dieser Geschichte, daß sie eine bedeutsame innere Struktur für geistige Entwicklung enthält.